Schlosskirche als Bühne für die „Tango-Messe“

Mit der Aufführung von Martín Palmeris „Tango-Messe“ zeigte sich die „Kantorei an der Schlosskirche“ in Friedrichshafen von einer ganz neuen Seite.

 

Christel Voith, Schwäbische Zeitung Friedrichshafen, 23. Okt. 2025

Martín Palmeris „Misa a Buenos Aires“, auch „Tango-Messe“ genannt, verbindet Tango und kirchliches Ambiente. Das macht diese Messe außergewöhnlich. Jetzt wurde sie von der „Kantorei an der Schlosskirche“ in der Schlosskirche in Friedrichshafen aufgeführt, begleitet von einem besonderen Rahmenprogramm. Kantor Manuel Mader-Nachtrodt hatte dazu das „Junge Tango-Team“ aus Konstanz eingeladen, bestehend aus Rafael Mendaro und seiner Tochter Lucia.

Bereits der Tanz der beiden durch den Mittelgang vermittelte die intensive Atmosphäre des Tangos – eine Kombination aus Innigkeit und Zärtlichkeit. 

Besonders nachdenklich und melancholisch wurde es bei Astor Piazzollas Tango „Oblivion“, der zwischen Gloria und Credo aufgeführt wurde. Das junge Paar tanzte dazu, unterstützt von der bewegenden Musik. Mader-Nachtrodt hatte Piazzollas Tangos bewusst zwischen den Messteilen platziert, um sein Publikum in die Welt des Tangos einzuführen.

Den Auftakt bildete „Verano Porteño“ aus Piazzollas „Cuatro Estaciones Porteñas“ („Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“), gespielt vom Tango-Quartett. Das sind namentlich Franziska Grütter an der Violine, Winfried Holzenkamp am Kontrabass, Lambert Bumiller am Klavier und Wolfgang Weniger am Bandoneon. Während die letzten Sonnenstrahlen Lichtflecken neben dem Altarbild tupften, erklang das melancholische Bandoneon, das den schwülen Sommerabend akustisch nachzeichnete.

Mit den Klängen des Bandoneons wurde der Übergang zur Messe geschaffen. Laut Palmeri spiegelt sich der Tango vor allem in der rhythmischen Akzentuierung und den Stakkatos der Musik wider. Die Instrumentierung betont dabei jedes einzelne Instrument, während die Stimmen abwechselnd in Männer- und Frauenchöre sowie in Soloparts eingebunden werden. Besonders beeindruckend sang Greta Hartleb den Solosopran, der einen emotionalen Höhepunkt darstellte.

Schon im Kyrie wurde der Rhythmus des Tangos spürbar. Die Kantorei zeigte sich hier von einer dynamischen Seite, bis die Sätze leise verklangen. Darauf folgte unmittelbar das Gloria. Greta Hartleb begann das „Qui tollis peccata mundi“ mit großer Innigkeit, das anschließend vom Chor bis hin zum jubelnden Amen weitergeführt wurde. An dieser Stelle wurde der Tango „Oblivion“ eingefügt, gefolgt von weiteren Piazzolla-Stücken wie „Milonga del Angel“ und „Adiós Nonino“.

Im Credo schwebte als Sopransolo die Botschaft von Christi Menschwerdung durch den Raum. 

Der Chor steigerte die Intensität mit dem „Crucifixus“, bevor die Stimmung im „Passus Et Sepultus Est“ beinahe tonlos wurde. Jeder Satz war präzise ausgearbeitet, bis zum fiebrigen und energiegeladenen Amen.

Die Aufführung hinterließ einen bleibenden Eindruck, getragen von der Authentizität und Ausdruckskraft der Musiker und Sänger.


 


Programmheft  2. Halbjahr 2025

 


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