Bach-Kantate BWV 66

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Die Osterkantate „Erfreuet euch, ihr Herzen“ BWV 66 von Johann Sebastian Bach hat eine interessante Entstehungsgeschichte. Durch Textdrucke ist belegt, dass diese Kantate am 10. März 1724 und am 26. März 1731 aufgeführt wurde. Die am 19. Mai in der Schlosskirche Friedrichshafen zu hörende Fassung ist allerdings jüngeren Datums und entstand mittels von J. S. Bach vorgenommenen, kleineren Verbesserungen vermutlich erst im Jahr 1737.

Die Musik wiederum hat Bach allerdings schon während seiner Zeit in Köthen im Jahr 1718 als Glückwunschkantate (BWV 66a) zum Geburtstag seines damaligen Dienstherrns, Freunds und lebenslangen Förderers, Fürst Leopold von Anhalt-Köthen, komponiert. Die Uraufführung dieser weltlichen Kantate fand am 10. Dezember 1718 statt.

Wie zu jener nicht selten üblich verwendete Bach diese Glückwunschkantate, die ja in der Regel nur einmal zur Aufführung kam, für eine sogenannte Parodie. Dass heißt, dass der Musik, ggf. nach Umstellungen der Satzfolge und einer Hinzufügung eines Chorals, ein sakraler Text unterlegt wurde. Durch diese erneute Verwendung beugte Bach vor, dass die Komposition in Vergessenheit geraten konnte.

Der unbekannte Dichter, dem diese Aufgabe zufiel, hatte sie mit Geschick gelöst. Der jubelnden Schlusschor wurde durch einen Choral ersetzt und an den Anfang gesetzt. Dieser ausgedehnte Eingangschor in Dacapo-Form und mit konzertierendem Orchesterritornell wie auch die beiden folgenden Sätze (Rezitativ und Aria) haben Dank und Jubel für die Auferstehung Christi zum Inhalt.

Auf ein kurzes Bass Rezitativ mit Streicherbegleitung folgt im 3. Satz eine Bass-Arie, die seinen tänzerischen Duktus unverändert aus der ursprünglichen, säkularen Glückwunschkantate übernommen hat. Das dann folgende Duett-Rezitativ mit Arioso-Einschub sowie nachfolgendem Duett ist ein Dialog zwischen den allegorischen Figuren der „Schwachheit“  und „Zuversicht“, ab 1731 „Furcht“ und „Hoffnung“  genannt. Sie, waren in der ursprünglichen weltlichen Kantatenfassung der „Glückseligkeit Anhalts“ und der  „Fama“ (Ruf) zugeordnet. Sowohl klanglich, als auch im Tempo (Andante) tritt der Mittelteil gegenüber den Rahmenteilen zurück. Die 3. Strophe des mittelalterlichen Osterliedes „Christ ist erstanden“ bildet im schlichten Choralsatz den Schluss der Kantate.

 

Bernhard Conrads