Jahreshauptversammlung 2016

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Bericht des SÜDKURIER vom 11.03.2016:

Lichtblick am Karfreitag
Von Andrea Fritz, Bild: Andrea Fritz

In den Kirchen der evangelischen Gesamtkirchengemeinde und beim Posaunenchor des Christlichen Vereins junger Menschen (CVJM) singt und klingt es. Die Kasse stimmt und alle Mitglieder des Freundeskreises für Kirchenmusik freuen sich auf das Konzertprogramm der vor uns liegenden Saison, die mit der Johannespassion von Georg Gebel am Karfreitag, mit der großen Messe in c-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart und mit den Sommerkonzerten wieder zahlreiche Juwelen birgt – und doch hatten die Anwesenden der jüngsten Mitgliederversammlung Sorgenfalten auf der Stirn.

Es ist der Zustand der Schlosskirchenorgel, der Kummer bereitet. Bereits im vergangenen Jahr, unmittelbar vor dem Konzert für Trompete und Orgel, hat die Weigel-Orgel ihren Dienst versagt und konnte nur mit Glück rechtzeitig spielbar gemacht werden. Die Kontakte korrodieren, Magnete degradieren in der Wirkung, Schweller und Dichtungen sind nicht mehr zuverlässig. Will man wieder einen paritätischen Klang erzielen, muss jede Pfeife einzeln überarbeitet werden. Dazu kommt, dass der Innenputz der Westfassade in großen Flächen abgebrochen und teilweise in die Pfeifen gefallen ist, nachdem ein Sturm im Sommer ein Fenster eingedrückt hatte. Insgesamt, so sagt Kirchenmusikdirektor Sönke Wittnebel, wird die Renovierung 250 000 Euro verschlingen.

Ehe die Landeskirche, die sich im Übrigen nicht an den Kosten beteiligt, ihr Einverständnis gibt, die Arbeiten auszuschreiben, muss die Kirchengemeinde die Hälfte der veranschlagten Kosten aufgetrieben haben. Wann mit der Renovierung der Weigel-Orgel begonnen werden kann, ist also ungewiss. Um Spenden zu sammeln, findet am 5. Juni ein Benefizkonzert mit Sönke Wittnebel und Hermann Ulmschneider statt. Der Erlös der Matineen sowie des Gospelchorkonzerts, das es am 8. Oktober geben soll, kommt ebenfalls der Orgelrenovierung zugute. Aus dem Freundeskreis kam der Vorschlag eine Arbeitsgruppe zu bilden, die bei einfachen Tätigkeiten mit anpacken kann, um zu sparen. Doch das ist alles Zukunftsmusik. Vorerst nähern sich ganz andere, sehr viel angenehmere Töne: Am Karfreitag soll in der Schlosskirche die Johannes-Passion von Georg Gebel erklingen. Klangbeispiele und einen Vortrag hatte Bernhard Conrads mitgebracht. Er singt selbst im Chor und hat sich nicht nur mit der Partitur, sondern auch mit dem Komponisten und der Geschichte des Werks auseinandergesetzt. Von seinem Vater musikalisch geformt, machte der 1709 geborene Georg Gebel schon mit sechs Jahren als komponierendes und Orgel spielendes Wunderkind von sich reden. Er gilt als genialer Zeitgenosse von Bach, Händel und Telemann.

Weil er aber unordentlich und chaotisch veranlagt gewesen sein soll und zudem viele der Auftragskompositionen nie zurückgegeben wurden, gelten sehr viele seiner Werke heute als verschollen. Das Autograf der Johannes-Passion schlummerte über die Jahrhunderte in Archiven. Ab 1746 stand Georg Gebel im Dienst des kunstliebenden Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Dort wurde 1748 das Textbuch zur Passion gedruckt, das Gebel zwar nicht als Komponisten ausweist, aber die Handschrift der Partitur ist eindeutig zuzuordnen.

Das Werk erklang, gemäß der in Rudolfstadt liturgischen Praxis, vermutlich während der Vespergottesdienste, in sechs Teilen während der Karwoche. In der Schlosskirche wird die ursprünglich vom Komponisten angedachte Fassung zu hören sein. Es spielt die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben und es singen Sopranistin Claudia von Tilzer aus Konstanz, erstmals Altus Stefan Görgner aus Berlin, der Ravensburger Tenor Ulf Gloede, die Bässe Martin Hempel aus Basel und Philip Heizmann aus Konstanz.