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Die Geschichte der Orgeln in der Schlosskirche von Friedrichshafen

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von Eberhard Sohn

 

Beim Bau der früheren Klosterkirche in Hofen (1695-1702), erhielt diese im Jahr 1701 eine „große Orgel“ mit 2 Manualen und einem Pedal. Eine „kleine Chororgel“ kam im Jahr 1707 hinzu.  Beide Orgeln stellte der „Orgelmacher Christoph Leo zu Memmingen“ her, die Klosterschreinerei unterstützte den Orgelbauer mit der Herstellung der „Orgelkästen“ (Gehäuse).

Im Zuge der Säkularisation 1802/03 und der Mediatisierung 1806 kam das Kloster Hofen - und ab 1810 auch die Stadt Buchhorn - zu Württemberg. König Friedrich verfügte dann 1811, die beiden Orte zu der neuen Stadt Friedrichshafenzusammen zu führen. Schon 1812 ordnete der König dann auch an, dass die Klosterkirche zukünftig als Schlosskirche für die kleine evangelische Gemeinde in Friedrichshafen eingerichtet wird.

Orgel in der Schlosskirche1803 zerstörte ein Großbrand die Stadt Tuttlingen, dem auch die evangelische Stadtkirche zum Opfer fiel. In den Jahren 1815-17 erbaute man eine neue Kirche und der König verfügte damals, dass die große Orgel aus der Schlosskirche Friedrichshafen ausgebaut und in die neue Tuttlinger Stadtkirche umgesetzt wird.

Für die Schlosskirche bestimmte man dann die aus der zum Abbruch vorgesehenen Pfarrkirche zu Altdorf-Weingarten freiwerdende Orgel, die dann hier schon wieder spielbereit war. Auch diese Orgel hatte der Orgelmacher Christoph Löw – zusammen mit seinem Sohn Johann Christoph erbaut. In der Übergangszeit stand der kleinen evangelischen Gemeinde, die ihre Gottesdienste meistens im Chorraum abhielt, ja die kleine Chororgel zur Verfügung.

Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die evangelische Gemeinde, so dass die Gottesdienste in der warmen Jahreszeit aus dem Chorraum in das Kirchenschiff verlegt wurden. Außerdem gab es zunehmend Reparaturarbeiten an der großen Orgel, so dass 1866 der Kirchengemeinderat beschloss, eine neue und größere Orgel zu beschaffen. Die vorhandene Orgel wurde 1867 an die katholische Kirchengemeinde in Kehlen  (Meckenbeuren) weiterverkauft.

Den Auftrag für die neue große Orgel erhielt die Firma Friedrich Weigle. Schon 1867 wird diese Orgel mit 2 Manualen und einem Pedal in der Schlosskirche eingeweiht. Im „Pfarrbericht“ von 1867 wird die kleine Chororgel nicht mehr erwähnt und es ist anzunehmen, dass diese Orgel abgebaut wurde.

A28. April 1944 zerstörten Brandbomben das Dach der Schlosskirche, den Südturm, einen Teil der Einrichtungen und dabei auch die Weigle-Orgel. Regen und Schneewasser durchfeuchteten das Dach  über der Kirche, und nach dem Herabfallen der Stuckdecke war eine Nutzung der Schlosskirche nicht mehr möglich.

Es dauerte 5 Jahre, bis eine dem Bauwerk angemessene Sanierungslösung möglich wurde. Wieder erhielt die Firme Weigle den Auftrag, eine neue Orgel mit 3 Manualen und einem Pedal für die Schlosskirche zu bauen. Aus Platzgründen wurde die Orgel auf Stützen gestellt, damit darunter Raum für Chor und Orchester auf der Empore entstehen konnte. Mit einem Festgottesdienst am 1. Juli 1951 konnte die Schlosskirche mit der neuen Orgel wieder eingeweiht werden. Die nach dem Krieg zur Verfügung stehenden Materialien und Bauelemente sowie Fehler bei der Übertragung von Raummaßen führten schon bald zu erheblichen Störungen und Ausfällen bei dieser Orgel. In den Jahren 1969/1970 entstand dann die 3. Weigle-Orgel, für die das bestehende Gehäuse übernommen werden konnte, das S.K.H. Philipp Herzog von Württemberg nach dem Krieg gestiftet hatte.

Diese Orgel soll nun grundlegend überarbeitet, den heutigen Sicherheitsstandards angepasst und erweitert werden. Den Auftrag erhielt nach gründlichen Überlegungen die Firma „Werkstatt für Kirchenorgeln – Thomas Gaida“. Gleichzeitig muss die Westwand der Schlosskirche saniert werden.

Anfang der achtziger Jahre kam der Wunsch nach einer kleinen, beweglichen Truhenorgel auf. Mit Spenden und freiwilligen Beiträgen gelang es 1987 eine kleine, fahrbare Truhenorgel von der Firme Mühleisen aus Leonberg zu beschaffen. Die sehr begrenzten Einsatzmöglichkeiten führten dann 2008 zu den Überlegungen, ob man diese kleine Orgel klanglich erweitern und verbessern könnte. Die Orgelbaufirma bot an, die kleine Orgel zurück zu nehmen und einen entsprechenden Betrag für eine erweiterte und klanglich tragfähige Truhenorgel zu verrechnen.

Seit 2010 steht die neue Mühleisen - Truhenorgel für gottesdienstliche und konzertante Einsätze zur Verfügung, die vom „Freundeskreis für Kirchenmusik e. V.“ wesentlich mitfinanziert wurde.


So sah die Disposition der teilweise abgebauten Weigle-Orgel aus dem Jahr 1970/1988 aus:


Pedal:

01. Prinzipalbass 16'
02. Gemshornbass 16'
03. Quinte 10 2/3'
04. Oktavbass 8'
05. Rohrflöte 8'
06. Basszink 5 1/3' 3fach
07. Nachthorn 4'
08. Hohlflöte 2'
09. Hintersatz 2 2/3' 4fach
10. Posaune 16'
11. Trompete 8'
12. Schalmei 4'

 

Hauptwerk:

13. Quintade 16'
14. Prinzipal 8'
15. Gemshorn 8'
16. Oktave 4'
17. Spitzgambe 4'
18. Großkornett 4' 3-5fach
19. Quinte 2 2/3
20. Oktave 2'
21. Larigot 1 1/3
22. Mixtur 2' 6fach
23. Trompete 8'
23a Trompete 4'

Schwellwerk:

24. Holzflöte 8'
25. Salicional 8'
26. Schwebung 8'
2
7. Prinzipal 4'
28. Rohrgedackt 4'
29. Oktavflöte 2'
30. Sifflöte 1 1/3
31. Scharf 1' 4fach
32. Fagott 16'
33. Oboe 8'


Kronwerk:

34. Stillgedackt 8'
35. Rohrflöte 4'
36. Ital. Prinzipal 2'
37. Nasard 2 2/3
38. Terz 1 3/5
39. None 8/9
40. Zimbel 1/2' 3fach
41. Musette 8'

Tremulanten

42. Tremulant Kl.P.
43. Tremulant HW
44. Tremulant SW
45. Tremulant KW


Koppeln

46. I/P
47. II/P
48. III/P
49. III/II
50. III/I
51. II/I
52. Gen. Koppel


Spielhilfen

diverse feste Pleno- bzw. Vorpleno- Kombinationen
4 freie Kombinationen
2 freie Pedalkombinationen
Einzel-Zungenabsteller
entsprechende Schalter auch für die Füße

1 Jalousie-Schweller (SW)
1 Crescendowalze