Geistliche Abendmusik

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Anmerkungen zum Programm

Angesichts der beginnenden Renovierung der großen Orgel der Schlosskirche verzichtet die Kantorei an der Schlosskirche auf ihr diesjähriges großes oratorisches Herbstkonzert und gestaltet alternativ am 20. Oktober eine Geistliche Abendmusik als Benefizkonzert.

Der Eintritt ist frei. Wir wären den Konzertbesuchern aber sehr dankbar, wenn die Abendmusik zum Anlass für eine großzügige Spende genommen würde!

In jahrhundertealter Tradition der abendlichen monastischen Vesper-Einleitung steht am Konzertabend die Bitte „Eile, Gott, mich zu erretten, Herr, mir zu helfen.“

Zur Versicherung der Gegenwart Gottes wird gemeinsam das Lied „Gott ist gegenwärtig“ mit den mystisch-anbetenden Worten von Gerhard Tersteegen gesungen. Dabei soll die Möglichkeit gegeben werden, dass ein meditativer „geistlicher Raum“ entsteht.

Mit zwei ganz unterschiedlichen Vertonungen von Jesus als dem Retter im Seesturm steht das Thema der geistlichen Abendmusik im Fokus. Siegfried Strohbach und Heinrich von Herzogenberg gehen hierzu zwar ihre eigenen kompositorischen Wege; beide „malen“ aber die Worte in musikalischen Bildern und decken deren Emotionen je eigen auf. Heinrich von Herzogenberg fügt im abschließenden Teil seiner Komposition die so ungemein passende zweite Strophe des Liedes „Jesu, meine Freude“ ein. Gemeinsam wird das ganze Lied alternierend mit beiden Vertonungen gesungen.

Jesu Rettung führen die mutmachenden Worte des Liedes „Nun aufwärts froh den Blick gewandt“ weiter. „Wir gehn an unsres Meisters Hand“ - haben Jesus auch auf dem weiteren Weg an unserer Seite, der sehr wahrscheinlich nicht ohne neue „Stürme“ sein wird!

Die drei Sätze aus Friedrich Schneiders Passionsoratorium sprechen uns neu seine Gegenwart zu und dass wir uns an ihn im Gebet wenden können. In der dritten Vertonung „Ich habe dich einen Augenblick verlassen“ wird uns nach den „Stürmen“ unseres Lebens bereits die ewige Vollendung zugesagt.

Zum Abschluss erklingen mehrere Kompositionen zum Abend und der Nacht:

Max Reger hat die ersten drei Strophen von Petrus Herberts wahrhaftigem Abendlied „Die Nacht ist kommen“ kongenial vertont.

In „Der Mond ist aufgegangen“ erstaunt immer wieder aufs Neue Matthias Claudius‘ subtile und weise Kritik an aufklärerischer Überheblichkeit ohne „moralischen Zeigefinger“. Ebenso berührt unter anderem auch die schlichte Art und Weise, wie in der letzten Strophe im „kalten Abendhauch“ neben dem Gebet für die eigene Seligkeit auch die Fürbitte für den kranken Nachbarn ganz selbstverständlich dazu gehört.

Die die Geistliche Abendmusik beschließende Kantate „Ich liege und schlafe ganz in Frieden“ von Nikolaus Bruhns weist in die Ewigkeit hinüber. Die „Nacht“ und der „Schlaf“ sind ja auch Metaphern des Todes. Nach den Stürmen des Lebens erleben wir aber nun die wahre und ersehnte Ruhe. Wie ein Resümee und Ziel des bisher Erklungenen bekräftigen die Worte, dass uns - indem wir uns voll Vertrauen an Jesus halten - nichts weniger zugesagt ist als die „Ehrenkron‘, das rechte Himmelserbe“ in der vollen Gemeinschaft mit Gott – unserer wahren Heimat!

Sönke Wittnebel