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Matinee 2. Aug. 2020

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Unterhalten mit Musik des Frühbarock (von links): Helgard Braun, Sibylle Kastner und Sönke Wittnebel.      (Foto: hv)


Bezaubernde Matinee zur Sommerzeit

In der Schlosskirche erklingen Blockflöten in fröhlichem Wettstreit Von Christel Voith

Friedrichshafen Zur zweiten Matinee hat Kantor Sönke Wittnebel am Sonntagmorgen zahlreiche Zuhörer in der Schlosskirche begrüßt. Schwierig sei das Disponieren in Zeiten der Coronakrise, daher habe er sich sehr gefreut, dass die beiden Blockflötistinnen Helgard Braun und Sibylle Kastner gerne bereit waren, mit ihm zu musizieren. Freuen durften sich auch die Zuhörer über ein heiteres, beschwingtes Programm unter dem Motto „Bewegter Frühbarock“.

Wie in einer Wiege gebettet lagen die Instrumente hinter den Musikerinnen. Denn Blockflöte ist nicht gleich Blockflöte, und an diesem Morgen kam das breite Spektrum bis zur abgeknickten Bassblockflöte zum Einsatz. Einzeln, im Duo oder im Terzett wurde lustvoll musiziert, dass bald die Füße mitwippten.

Am weitesten zurück reichten die Stücke von Orlando di Lasso (1532 bis 1594), der jüngste Musiker war Mario Uccellini (ca. 1603 bis 1680). Ein heiteres, melodiöses Miteinander war Uccellinis „Aria sopra la bergamasca“, die zuletzt noch einmal die drei Musiker - die Flötistinnen und Sönke Wittnebel an der Truhenorgel - zum hellen Vogelkonzert mit tänzelnder Orgel vereinte. Beschwingt trat man danach ins Freie, wo einen nach dem nächtlichen Gewitter wieder sommerliche Schwüle empfing.

Da wünschte man sich fast wieder in die angenehm kühle Kirche zurück, wo man eine Dreiviertelstunde lang dem Gesang der Flöten lauschen durfte. Hell und freudig war der Auftakt mit Francesco Turinis Sonata a tre „Il Corisino“, ein beschwingt tänzerischer, tirilierender Wettstreit der Sopranblockflöten, untermalt vom Basso continuo.

Abwechslungsreich ging es weiter, erst mit Orlando di Lassos „Ricercare in e“, einer für die Renaissance typischen Instrumentalkomposition, hier als Duo von Tenor- und Bassblockflöte interpretiert. Sibylle Kastner führte an der Tenorblockflöte, Helgard Braun stimmte mit der Bassblockflöte ein in die dunkler gefärbte, mit Wärme umfangende Musik. Weit trug der helle Ton von Kastners Sopranblockflöte in Giovanni Paolo Cimas Sonate in g, in großzügigen Melodiebögen entwarf sie das Bild einer weiten Landschaft. Auf ein fließendes Duo für Sopran- und Altblockflöte folgte Helgard Brauns Solo für Altblockflöte. Mit Jacob van Eycks „Engels Nachtegaeltje“ ließ sie zum Vergnügen der Zuhörer den betörenden Gesang der Nachtigall samt Echo und konkurrierendem Kuckuck hören. Mit sprudelnden Kaskaden suchten sich danach mit Dario Castellos „Sonata terza in G“ die Sopranflöten zu überbieten, ehe der Kreis sich rundete mit einem weiteren Ricercare von Orlando di Lasso und das Konzert mit Marco Uccellinis Aria schloss, dass man meinte, den ausgelassenen Tanz verliebter Paare zu hören. Eine bezaubernde Matinee zur Sommerzeit - auch im Frühbarock wusste man das Leben zu genießen.